On Sun, 15 Apr 2007 22:40:45 +0200, Heiko Nocon <Heiko.Nocon@gmx.net>
wrote:
>Für die ist eine Innovation ein sinnloses Feature, was sich billichst
>implementieren und dem Verbraucher (nach entsprechender Gehirnwäsche)
>für teures Geld verticken läßt. Das ist das Problem in
Deutschland.
Wobei sich hinter manchem Feature durchaus eine echte
Innovation versteckt.
Nett sind die Dinge, wo dies geschieht:
1. Wir drücken einen Knopf.
2. "Es geschieht ein Wunder" ;-)
3. Der Job ist erledigt.
Nimm unseren Autorouter, das Ding ist ein Feature des Gesamtsystems
und hat ein paar Features. Hier darf man wohl wirklich von Innovation
reden, zumindest von der Anzahl der offensichtlichen Klauversuche ;-/
Ich rede hier nicht von Nachprogrammieren, sondern von
Lizenzverstößen
im OEM-Bereich, weil das Nachprogrammieren halt doch nicht so
einfach ging :-(
Oder nimm unser patentiertes moduliertes LO-Konzept für Empfänger,
damit wurden bestimmte Handheld-Messgeräte zu einem Preis möglich,
der vorher unvorstellbar war.
Dem Kunden ist es erstmal egal, wie der Empfänger empfängt.
Aber er ist klein und preiswert. Das zählt.
Will sagen: Nicht immer ist Innovation offensichtlich.
>Echte Innovationen könnten nämlich nicht so einfach in
>Hinterhofwerkstätten in China kopiert werden.
Wohl wahr.
Dafür gibt es dann die "amerikanische Wildwest-Methode":
Wir kaufen einen Lizenznehmer auf, nehmen uns, was wir finden,
und ignorieren Lizenzverträge geflissentlich.
Nein, ich rege mich jetzt nicht auf. Nicht mehr.
Ich hab lieber das schöne Wochenende mit anständigem Wetter
für Outdoor-Aktivitäten genutzt, statt Akten zusammenzustellen.
Das steht mir heute bevor, es geht der Fall zum Anwalt, bei dem
ein US Anbieter von Technik für den Inscheniör einen EDA-OEM-
Kunden von uns aufgekauft hat.
Glaubt einer, die Nasen hielten es überhaupt für nötig, mal mit
dem Lizenzgeber zu reden, bevor der es Monate später aus der
Presse mitbekommt ?
Ach was, wozu denn, und die Antwort von deren Anwälten
auf unsere Fragen war auch, ähm, sehr bescheiden.
Allerdings funktioniert unser Rechtssystem in der Regel ganz
gut, wir vereinbaren typischerweise deutsches Recht und ein
exakt definiertes deutsches Gericht.
Der letzte "wir sind so groß" Aufkäufer, der mir am
Telefon
gesagt hatte, dass wir "lächerlich" und daher zu ignorieren
seien, durfte das komplette System, dass er aufgekauft hatte,
am Ende vom Tag einstampfen.
Seitdem heißt es bei denen gegenüber Kunden nur, dass
wir total schrullig, selbstverfreilich nur auf Cash bedacht usw.
seien ;-/ Klar doch, so gilt man halt, wenn man seine eigenen
Rechte gegenüber Wildwest-Methodlern wahrt.
Wenn einer von den o.g. Herrschaften mitliest:
Remember this, wir verstehen da keinerlei Spass.
Ich hab diese Wikinger-Mentalität bzw. die Texas-Wildwest-
Methoden einfach satt. Wir vergeben keine Landeslizenzen,
bei denen per Aufkauf aus Eins Zwei gemacht werden kann.
Aber aufregen tut mich derlei nicht mehr.
man Advokat.
Und ansonsten hat es schon Gründe, warum wir bei Lizenzen,
wo es wirklich um Know How geht, restrikitiv sind, ich kann
Dirk aus eigener leidvoller Erfahrung sehr nachfühlen.
> Da müßte China schon ein
>wenig mehr Aufwand treiben (allerdings hat es das inzwischen auch
>erkannt und nutzt die Gier der BWLer für entsprechende
>Verfahrensweisen...)
Sie versuchen halt, billig an Know How zu kommen.
Gleiches Schema wie oben:
- "Machen wir Kooperation, produzieren wir zusammen, teilen Gewinn"
- Morgen steht dann eine 1:1 Kopie des Werkes nebenan,
Verträge sind das Papier nicht wert, auf dem sie stehen,
durchsetzbar ist nix.
Es gibt genügend BWLer, die dumm genug sind und meinen,
sie müssten mit aller Gewalt auf den chinesischen Markt kommen.
Genau das wird dann ausgenutzt, und zwar wo nötig,
durchaus ein bisserl zentral gelenkt.
Bitte bei allen Joint Ventures mit China bedenken:
China ist weder ein Rechtsstaat noch eine Demokratie. Punkt.
Bitte daher nicht erwarten, dass Vereinbarungen durchgesetzt
werden können.
( Ein ähnliches Problem gibt es teilweise in den USA, das dortige
Rechtssystem ist bekannt marode, weswegen die Purschen
teilweise so frech sind. Aber natürlich nicht alle, es gibt auch
genügend Firmen, mit denen man wirklich gut zusammenarbeiten
kann.
Nur ist da gut und böse für uns als gemeinsam dem westlichen
Kulturkreis Zugehörige ungleich leichter zu erkennen und der
US-Staat hält sich doch etwas mehr zurück, es gibt halt schon
eine freie Presse, wo die Missetaten der Politik nachzulesen
sind, während in China wirklich die Partei so manches lenkt. )
>Dann ist
>wieder der BWLer dran und der labert irgenwas von return of investment
>und shareholder value und cancelt die vielversprechende Sache am Ende
>endgültig.
Diese Leute sind einfach nur lästig und kosten Zeit und Geld.
Man sollte sich vor allem über eines klar sein:
- Es sind häufig Angestellte, die Aktionismus tätigen und Dritte
sinnlos beschäftigen, um ihren Job zu rechtfertigen.
Auffällig ist das gerade eben in der VC-Branche, die Jungs haben
keine Knete in ihren Fondstöpfen, weil "Risiko" out ist, und
"Risikokapital" ergo auch (ich rede von "normalen"
Anlegern,
die ihr Geld einem VC Fonds geben), demnach müßten die Jungs
eigentlich sagen:
"Hey, die Idee ist gut, aber unser Fonds ist leer, sorry."
Machen sie aber nicht, denn sie wollen in ihrem Job bleiben.
VC funktioniert deshalb in Deutschland zur Zeit nicht gut,
hingegen scheinen immer "Business Angles" aufzukommen,
d.h. Leute, die selber eigenes Geld haben und dies
geeignet investieren möchten, auch mit kontrolliertem Risiko.
Gruß Oliver
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Oliver Bartels + Erding, Germany + obartels@bartels.de
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