On Sun, 03 Aug 2003 08:50:40 -0700, Peter Richt wrote:
> was ist denn der Vorteil bzw. der Grund die Signalmasse auf Erde zu
> legen. Wenn ich dies nicht mache, und die Signalmasse auch noch
> galvanich getrennt ist, hätte ich doch die ganzen Probleme mit
> Brummschleifen und Potentialverschiebungen nicht, oder übersehe ich
da
> was?
Also erstens kann auch die Masse selber schon eine Brummschleife haben;
das hat ja erst mal nichts damit zu tun, welche Leitung da im Kreis
geführt wird: wenn ich z.B. wie bei Hifi-Anlagen üblich die
Stereokanäle
mit Cinchkabeln mit je eigener Abschirmung auf Masse verbinde, habe ich
hier schon meine Schleife. Deswegen sind diese Leitungen auch immer über
die Isolation miteinander verschweisst, so daß die Schleife wenig
Querschnitt hat, also von wenig Störstrahlung durchströmt wird. Ich
gewinne also alleine dadurch, daß ich nicht erde nicht automatisch gleich
Freiheit von Brummschleifen.
Zweitens ist das eine Frage der Sicherheit. Eine Masse die nicht geerdet
ist, kann durch verschiedene Effekte "davonschwimmen", also über
kurz
oder lang jedes beliebige Potential annehmen. Und so bekommt man
irgendwann an der vermeintlich harmlosen Masse einen elektrischen Schlag.
> Hast Du denn auch schon erfahrungen mit dem Schirmen von
> Signallleitungen gemacht? Bin mir immer nicht sicher, ob man den Schirm
> einseitig oder zweiseitig auflegen soll, bei einseitig hätte ich doch
> auf jeden Fall den Vorteil, das über den Schirm keine
Ausgleichsströme
> fließen könne, oder?
Ausgleichsströme kann man durch verschiedene Methoden vermeiden: Erstens
versucht man induktive Einstrahlung zu vermeiden, indem man Motoren,
Trafos und sonstige große Induktivitiäten so konstruiert, daß
sie kein
Feld abstrahlen. (ok, darauf hat man meist den geringsten Einfluß)
Dann plant man die Erdung so niederohmig wie irgend möglich. In dem
Bereich kann man mit Haushaltsmitteln nichts mehr messen. Große
Kabelquerschnitte und sorgfältige großflächige Anschlüsse
an den
Gehäusen sind ein Muß. Selbst mechanisch tragfähige Schienen
und
Profile findet man in professionellen Anlagen sehr häufig für diesen
Zweck und sind nicht übertrieben.
Die Schirmung der Signalleitungen soll ebenfalls sehr niederohmig sein.
Die Kabel selbst sind häufig nicht das Problem. Die meisten Sünden
werden beim Konfektionieren der Stecker und Buchsen gemacht. Auch im
Inneren fertig gekaufter Geräte liegt hier oft die eigentliche Ursache der
Probleme.
Hier kann man sich auch überlegen, ob man die Schirmung "masst"
oder
erdet. Oft wird übersehen, daß viele Gehäusebuchsen die
Schirmung
automatisch auf das Gehäuse legen und damit erden. Um das zu vermeiden,
braucht man entweder isolierte Buchsen oder man muß die Buchse in einen
isolierten Teil des Gehäuses legen, der auf Masse liegt und nicht auf
Erde. Im Sinne einer Stern-förmigen Erde kann man an diesen isolierten
Teil
dann die Verbindung zur Erde herstellen.
Wenn man die Schaltung selbst neu plant, sollte man überlegen, ob nicht
Optokoppler oder Übertrager zum Einsatz kommen können.
Schaltungstechnisch kann man anstatt eines Signals gegen Masse besser
symmetrische Signalleitungen benutzen, die dann verdrillt in der
Abschirmung verlaufen. Noch mehr Aufwand ist eine Signalmodulation, die
bei geschickter Wahl des Modulationsverfahrens Störungen durch die
Übertragung ganz eliminieren kann.
Zusammengefasst: Damit die bösen Ausgleichströme überhaupt
fliessen
können, muß erst mal eine Potentialdifferenz da sein. Und diese gilt
es zu
vermeiden in dem man die Erdung und die Masse so niederohmig wie irgend
möglich macht. Brummschleifen werden durch Stern-förmige
Leitungsführung
und durch geringen Schleifen-Querschnitt (enge parallele/verdrillte
Führung von mehreren Leitungen) vermieden.
Ein Weglassen der Masse-Erdung oder ein Auftrennen der Masse-Verbindung
zwischen 2 Geräten ist jedenfalls der falsche Weg und führt nur zu
neuen/anderen Problemen.
--
Emil "nobs" Obermayr
http://tigress.com/nobs/